Interview mit Herrn Prof. Dr. Dirk Windemuth

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Prof. Dr. Dirk Windemuth

Praxishandbuch psychische Belastungen im Beruf

[red 23.03.2010] – Psychische Belastungen stehen in ihren negativen Ausprägungen als psychische Fehlbeanspruchungen im Zentrum der Diskussion im Arbeitsschutz. 47 Fachautoren liefern in dem gerade erschienenen Praxishandbuch sowohl fundiertes Hintergrundwissen zum Thema wie auch Anregungen für die Prävention im Betrieb und im Privatleben, die mithilfe von vielen Beispielen illustriert werden. Prof. Dr. phil. Dirk Windemuth, Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) im Interview.

Herr Professor Dr. Windemuth, was hat Sie bewogen, gemeinsam mit Herrn P.D. Dr. Detlev Jung, Betriebsarzt beim ZDF, und Herrn Petermann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM), das „Praxishandbuch psychische Belastungen im Beruf“ herauszugeben?

Wir hatten zwei ganz große Anliegen: Zum einen wollten wir den Umgang mit dem Thema „Psychische Belastungen im Beruf” versachlichen. Es ist ein sehr, sehr wichtiges Thema und es darf nicht dadurch beschädigt werden, dass in der Öffentlichkeit oftmals unseriös damit umgegangen wird. Deshalb wollten wir – und das ist schon der zweite Grund – das viele wertvolle Wissen, das zu dem Thema „Psychische Belastungen“ verfügbar ist, auf dem aktuellen Stand bündeln. So ist es jedem, der mit dem Thema zu tun hat, möglich, sich umfassend zu informieren. Damit wir uns selbst dem Thema nicht einseitig zuwenden, haben wir eine Herausgeberschaft gewählt, die aus Fachleuten aus Psychologie, Medizin und dem Kontext der gesetzlichen Unfallversicherung besteht.

Wodurch unterscheidet sich Ihrer Ansicht nach das Buch von anderen Publikationen zum Thema?

Der große Unterschied besteht darin, dass wir in dem Buch nicht wie in einem Lexikon Themen aneinander gereiht haben, sondern dass wir die Themen in eine übergeordnete Theorie – das „Dreiebenenmodell psychischer Belastungen“ – gebracht haben. Dadurch haben wir nicht nur eine besondere Struktur geschaffen, sondern es hinbekommen, dass alle Artikel der Leitidee des „Dreiebenenmodells“ folgen. Das hat es den Autoren etwas schwerer gemacht, ihre Beiträge zu verfassen – für den Leser hat es sich am Ende aber gelohnt.

„Psychische Belastungen“ – wie viel Bedeutung hat das Thema für den heutigen Arbeitsschutz und wie sehen Sie die zukünftige Entwicklung?

Das Thema „Psychische Belastungen“ ist inzwischen fester Bestandteil im Arbeitsschutz und nicht mehr wegzudenken. Natürlich muss man beachten, dass der klassische, primär technisch orientierte Arbeitsschutz auf sehr hohem Niveau gehalten werden muss. Aber dieser klassische Arbeitsschutz alleine ist heute oftmals nicht mehr ausreichend. Schwierig an dem Thema ist, dass psychische Belastungen oder Fehlbelastungen ja nicht nur am Arbeitsplatz auftreten, sondern auch im Privatleben. Deshalb glaube ich, dass es zukünftig wichtig ist, beim Thema „Psychische Belastungen“ umfassender auch mit anderen Einrichtungen zusammen zu arbeiten, um umfassenden Schutz vor psychischen Fehlbelastungen zu gewährleisten.

Das Interview führte Ute Meinert-Kaiser.

Zur Person:

Prof. Dr. Dirk Windemuth, M.P.H. ist Direktor des Instituts für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IAG) und Professor für Case Management/Psychologie an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.