Das Dreiebenenmodell psychischer Belastungen im Betrieb

Bild - Das Dreiebenenmodell

Das Dreiebenenmodell psychischer Belastungen im Beruf stellt das psychische Belastungsgeschehen in dem Geflecht von Beschäftigtem, Unternehmen und Gesellschaft dar. Der Beschäftigte selbst hat Ressourcen und Kompetenzen mit Belastungen umzugehen. Durch zu starke (Fehl-)belastungen oder nicht ausreichende Bewältigungsmöglichkeiten auf dieser individuellen Personenebene können dann beispielsweise psychische oder körperliche Erkrankungen mit verursacht werden. Zugleich wird in dem Dreiebenenmodell deutlich, dass der beschäftigte Mensch grundsätzlich zwei verschiedenen Belastungsquellen ausgesetzt ist: betrieblichen und außerbetrieblichen Belastungen. Die zweite, die mittlere Ebene ist die der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz, also der Gesamtheit der Ereignisse und Gegebenheiten aus dem Arbeitsumfeld einer Person, die von außen psychisch auf ihn einwirken. Diese betrieblichen psychischen Belastungen auf der mittleren Ebene wurden in der Vergangenheit primär diskutiert, wenn es um die Frage der betrieblichen Prävention ging. Dies sind die:

 

  1. Betrieblichen Rahmenbedingungen
  2. Arbeitsaufgabe
  3. Soziale Arbeitsumgebung
  4. Arbeitsorganisation
  5. Materielle Arbeitsumgebung.

Außerbetriebliche, äußere Gegebenheiten stellen die dritte, die unterste Ebene dar. Diese haben einen mehr oder weniger starken Effekt auf die betrieblichen Belastungen (mittlere Ebene) und darüber auf den Beschäftigten (oberste Ebene). Überbetriebliche Rahmenbedingungen (Folgen der Globalisierung, die allgemeine Wirtschafts- und die spezielle Auftragslage, tarifliche und gesetzliche Regelungen zu Arbeitszeiten und Löhnen, die Verfügbarkeit qualifizierten Personals usw.) bestimmen Qualität und Quantität der psychischen Belastungen am Arbeitsplatz ebenso wie der demografische Wandel, die gesellschaftlichen Bedingungen, welche die Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr oder weniger ermöglichen und so weiter. Beispielsweise kann eine schlechte nationale oder globale wirtschaftliche Situation mit einer hohen Arbeitslosenquote Konkurrenzdruck unter Kollegen bewirken. Bei gleichzeitig geringer Bereitschaft oder fehlender Möglichkeit zum Arbeitgeberwechsel kann diese Situation für die Beschäftigten vermehrt zu lang anhaltenden Konflikten bis hin zu Mobbing führen. Auf diese überbetriebliche wirtschaftliche Ursache kann der Betrieb aber nur sehr begrenzt – wenn überhaupt – einwirken.

Diese äußeren Gegebenheiten wirken aber auch ohne das konkrete Beschäftigungsverhältnis unmittelbar auf den Menschen ein. Die Globalisierung, die technische Entwicklung, die wirtschaftliche Situation und so weiter haben auch auf die Menschen als Privatpersonen Effekte. Beispielsweise wird das Privatleben schneller, auch dort ist die Informationsdichte angewachsen (neben Radio und Fernseher befinden sich Telefon, Handy, Privatmail, Internet, Mailbox und Anrufbeantworter usw. in der Mehrheit der Privathaushalte in Deutschland). Diese Veränderungen des Lebensstils wirken – unabhängig von Beruf und Betrieb – direkt auf den Menschen ein. Eine ganzheitliche Prävention kann deshalb nicht nur am Arbeitsplatz erfolgen, da damit nur ein Teil der Fehlbelastungen der Prävention überhaupt zugänglich ist. Betriebliche Präventionsmaßnahmen sind darauf beschränkt, auf die (Fehl-)belastungen einzuwirken, die im Betrieb entstehen oder dort als Folge der überbetrieblichen Rahmenbedingungen ankommen.

Das Praxishandbuch Psychische Belastungen im Beruf befasst sich mit allen drei Ebenen: Mit der beschäftigten 527221e403114_Psych_aktuell_ShopPerson, den betrieblichen Bedingungen, soweit sie für das psychische Belastungsgeschehen wichtig sind, und mit den außerbetrieblichen Gegebenheiten, die als gesellschaftliche Faktoren von außen auf Qualität und Quantität der arbeitsbedingten psychischen Belastungen einwirken und zugleich auch außerberufliche Belastungen für den Menschen darstellen können. Hier liegen die Grenzen des Buches. Es wird nicht darauf eingegangen, inwieweit der Beschäftigte selbst wiederum auf die Gesellschaft und die betrieblichen Bedingungen Einfluss nimmt. Dies muss Gegenstand weiterer soziologischer Betrachtungen sein.